Hätten Sie´s gewusst?

Kunst am Bau

Bereits seit 2012 sind die Stadthalle und Volkswagen Halle Braunschweig erfolgreich mit dem weltweit anerkannten Umwelt-Siegel „Green Globe“ zertifiziert. Ein Bestandteil von Nachhaltigkeit ist für uns auch die Beschäftigung der unmittelbaren Umgebung und Historie unserer Veranstaltungshäuser. Aus diesem Grund haben wir unsere Wissensreihe Hätten Sie´s gewusst? ins Leben gerufen, die Wissenswertes, Historisches und Sehenswertes rund um unsere drei Locations Stadthalle + Volkswagen Halle Braunschweig und Eintracht-Stadion vorstellen möchten:

Hier und heute: Kunst am Bau an der Stadthalle Braunschweig: „Kunst gehört dorthin, wo Menschen zusammenkommen.“

Wer voller Vorfreude auf die gleich beginnende Veranstaltung den Eingangsbereich der Stadthalle Braunschweig durchquert, dem fallen sie vielleicht gar nicht ins Auge, die Vertiefungen und Erhebungen im Beton, rechts am Haupteingang zum Großen Saal. Dabei lohnt es sich durchaus, diese als „Kunst am Bau“ bezeichnete Art der (Auftrags-) Kunst zu betrachten. Die Reliefs aus Beton und Metallskulpturen an und in der Stadthalle wurden 1965 von dem damals 37jährigen Bildhauer
Friedrich Werthmann geschaffen.

Kunst am Bau hat eine lange Tradition, die bis in die Weimarer Republik zurückreicht. Seit der Empfehlung des Deutschen Bundestags von 1950 bei allen Bundesbauten einen festen prozentualen Anteil der Bausumme für Kunst am Bau einzusetzen, sind im Auftrag des Bundes zahlreiche herausragende Kunstwerke entstanden. Diese Maßnahme sollte u.a. dazu beitragen, dass von den Nationalsozialisten zur Verödung gebrachte Kulturleben mit neuen Impulsen zu versehen. Die Regelung prägte fortan das Erscheinungsbild der Bauten des Bundes. Sie wurde in der Folgezeit für öffentliche Bauten von Ländern und Kommunen übernommen.

Nach diesem Verständnis schuf Friedrich Werthmann seine Kunst, als er vom Architekten der Stadthalle, Peter Voigtländer, im Baujahr der Stadthalle Braunschweig beauftragt wurde, eine Synthese zwischen Architektur und Skulptur am Bau des Veranstaltungshauses zu schaffen. Während das Betonrelief-
Kunstwerk im Bereich des Haupteinganges die Wand selbst ist, zeigen sich die Metallskulpturen im Foyer und im Eingangsbereich des Congress Saales im starken Kontrast zu den Betonwänden. „Ich bringe den Stahl aus einem technischen Bereich in einen poetischen, genauer gesagt, in eine Form, die es in der Natur nicht gibt, also nur durch meine Skulptur entsteht“, so beschrieb der Künstler sein Werk. Der Titel dieser Kunstreihe trägt den Namen „Wand-Lung“.*

Ein Veranstaltungshaus ist ein Ort, an dem Menschen für ein Konzert, einen Kongress oder einen Ball zusammenkommen und „Kunst gehört dorthin, wo Menschen zusammenkommen“**, – mit diesem Statement begründete ein Berichterstatter des Ausschusses für Kulturpolitik 1950 die gesetzlichen Initiative zur Förderung von Kunst am Bau. Dieser Satz gilt nach wie vor, sowohl für die Realisierung neuer Kunst am Bau als auch für den nachhaltigen Umgang mit bestehender Kunst am Bau – wie bei der Stadthalle Braunschweig.

*Festschrift der Stadthalle Braunschweig, 1965 ** Deutscher Bundestag,1950

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Bilder:
Betonrelief im Eingangsbereich, Stadhalle Braunschwieg 1965, Metallskulptur am Eingangsbereich Congress Saal / Löwenkrone